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Mittwoch, 5. März 2008

Die Wirklichkeit Circes - damals wie heute ...

Es ist, als ob die Gruppe Ärzte mit ihrem Song "Männer sind Schweine" geradewegs der Insel Circes und deren Schweine-Koben dort entkommen sei, denn eine der Spezialitäten Circes war es - und dies gelang ihr auch: Männer zu Schweinen zu machen.
Der Qualität dieses Songs ist unschwer zu entnehmen, dass ihr dies auch noch heute gelingt; hier ein kleiner Auszug:


Männer sind Schweine
Frage nicht nach Sonnenschein
Ausnahmen gibt's leider keine
In jedem Mann steckt doch immer ein Schwein
Männer sind Säue
Glaube ihnen nicht ein Wort
...

Circe becircte in der Tat alle männlichen Besucher, die auf ihrer Insel Aiaia landeten  und verwandelte sie bevorzugt in Schweine.
Odysseus entging diesem Schicksal nur knapp und das nur dank der Hilfe des Gottes Hermes, der ihn vorwarnte und Mittel an die Hand gab, Circes Zauber zu besiegen und seine Kameraden zu befreien.
Circe, die Tochter des Sonnengottes Helios, steht für jenen Typ Frau, auf den Männer gern in Scharen hereinfallen und im Grunde gar nicht merken, dass sie seelisch zu Schweinen degenerieren. - So wirkungsvoll ist der Zauber der Circe. - Circe stand im Übrigen die ganze Palette an Tieren zur Verfügung, wenn es um eine Verwandlung ging.
Zum einen stellt sich die Frage, warum Männer auf diesen Zauber hereinfallen, den Zauber einer Frau, die ja spürbar nicht Liebe sucht, sondern deren Ziel bis zur Degeneration und lächerlichen Preisgabe des Männlichen gehen kann, verbunden mit der Inszenierung ihres Selbst; zum anderen gilt es zu enttarnen, wie und warum sich weltweit nicht wenige Frauen immer wieder diesem Circe-Muster zwanghaft zur Verfügung stellen.Man kann beim Betreten und anschließenden Verhalten von Paaren in Lokalen zum Beispiel die interessantesten Studien treiben; manchesmal inszenieren sich beide (bestens zu studieren im Rahmen dieses Liedes - zwei absolute Narzissten singen da, die null Bezug nehmen) und suchen am wenigsten den Bezug zu dem Partner, mit dem sie eigentlich gekommen sind.
Wenn eine Circe ein Lokal betritt und das Klappern ihrer Absätze zu hören ist, fahren 80 Prozent aller Männerköpfe herum, auch von denen, die mit Frau oder Partnerin da sind - vielleicht gerade von denen :-(
Zurecht mag man sich da fragen, wie es um die meisten Beziehungen bestellt ist. Ein Mann, der seine Frau wertschätzt, fährt nicht auf eine Circe ab. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch der verlorene Sohn im gleichnamigen Gleichnis der Bibel Vergleichbares erleben muss. Denn als er sein Vermögen, so entnehmen wir der Bibel, mit Prassen auf den Kopf gehauen hatte - wer weiß, vielleicht war auch hier eine Circe im Spiel, musste er sich als Schweinehirte verdingen und begehrte zu essen, was die Schweine fraßen. Hier ist der verlorene Sohn ebenso wie die Kameraden des Odysseus zwar nicht auf den Hund, aber aufs Schwein gekommen.
Das Schicksal von Odysseus ist das eines Mannes, der zurück möchte in die Heimat und anhand dessen, was ihm widerfährt, will es scheinen, als ob es ein Schicksal gäbe, einzig dazu geschaffen zu verhindern, dass Helden zurück in ihre Heimat finden.


Homers großer Gesang, die Odyssee, zeichnet stationenhaft die möglichen Gefahren beispielhaft nach; sie können, ja sollen eine Warnung sein für all die, welche wirklich ihre Heimat finden möchten.
Odysseus – übrigens der erste Kriegsdienstverweigerer der Geschichte; allerdings wurde er als solcher nicht anerkannt (er spielte nämlich den Verrückten, nur wurde er duchschaut) und musste mit nach Troja –
wäre ja fast schon bei den Lotophagen hängen geblieben und kein Stück weiter gekommen.

Doch das ist eine andere Geschichte, eine echte Sucht-Geschichte.

Bildqquelle: Mit freundlicher Erlaubnis von Martin Boss, dem Leiter des AERIA-Projekts

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