Freitag, 30. September 2016

Oh my Lord, it´s time to pray.- Ein Lied von Shimon Peres, und ihm zu Ehren!

Shimon Peres war ein wunderbarer Mensch - und ist es auch jetzt noch!

Der Text des folgenden Liedes stammt von ihm, am Ende des Videos ist er auch zu sehen.

Sein Titel lautet Ray of Hope

In dieser so unfriedlichen Welt war Shimon Peres ein Lichtstrahl der Hoffnung für Frieden und Versöhnung - wir werden ihn vermissen!


Mittwoch, 21. September 2016

Jedes unserer Urteile, vor allem die, welche nicht zutreffen, sind Weg-Blockaden, echte Barrieren.

Jetzt stören sie uns kaum, denn sie donnern in unserem Rücken nach unten. Deshalb urteilen wir gern auch mal ununterbrochen.

Über alle Barrieren aber müssen wir zurück, wenn nicht in diesem Leben, so im Leben nach dem Leben.
Das könnte ein grässlicher Hindernislauf werden.

Gut, wenn es dann in jener Welt nicht dunkel ist. Sonst ist es nochmal ätzender.

 Für die Beleuchtung dort allerdings müssen wir hier schon Sorge tragen.

Geist ist LIcht, und alles, was wir in dieser scheinbar vor allem stofflichen Welt, in der wir leben, als Geist erkennen, also nicht auf der stofflichen Ebene steckenbleiben, hat in jener Welt Leuchtkraft.

Und nicht  nur dort - schon hier!

Freitag, 16. September 2016

Lerne die große Kunst, gern unbekannt zu sein und dich für nichts halten zu lassen. - Worte des Thomas von Kempen

Copyrights -Hannah K. Passmann // Passmann GrafikDesign
Thomas von Kempen ist ein heute weitgehend unbekannter deutscher Mystiker, der im 15. Jahrhundert lebte. Sein Buch Über die Nachfolge Christi (de imitatio Christi) war nach Angaben des Thomas-Vereins, der das Andenken an den Mönch wach hält, das in allen Kultursprachen nach der Bibel am meisten verbreitete Buch. "Ursprünglich für Mönche im 15. Jahrhundert als Anleitung für ein geistiges Leben geschrieben, hat es doch über 600 Jahre  viele  Menschen inspiriert und geprägt", so heißt es auf der Website des Vereins, auf dem sich ein ausführlicherer Lebenslauf von Thomas findet.
Thomas wurde wohl 1379 in Kempen geboren und folgte mit ungefähr 13 Jahren seinem um 15 Jahre älteren Bruder in das niederländische Deventer nach, wo er die Stadtschule besuchte.
Mit 20 Jahren wechselte er nach Zwolle und trat dort  in das Augustinerchorherrenstift St. Agnetenberg vor den Toren der Stadt ein, dem seit 1398 als erster Prior sein Bruder Johannes vorstand.
Wie manch anderem in seinem Orden kam auch Thomas die Aufgabe zu, geistliche und liturgische Schriften sowie die Bibel abzuschreiben.  
Um 1420 begann Thomas dann aber auch, eigene geistliche Schriften zu verfassen: Traktate, Predigten, Briefe, Gebete, Lieder und Übungstexte, insgesamt 36 Werke ganz unterschiedlichen Umfangs.
Thomas Hemerken von Kempen starb 91-jährig am 25. oder 26. Juli 1471.

Hier ein Auszug aus dem dritten Kapitel seiner einstmals so bekannten Schrift:

Wer die Lehre Christi in ihrer Fülle kennenlernen will,
der muß mit allem Ernst darauf dringen,
daß sein ganzes Leben gleichsam ein zweites Leben Jesu werde.
Was nützt es dir doch,
über die Dreieinigkeit hochgelehrt streiten zu können,
wenn du die Demut nicht hast,
ohne die du der Dreieinigkeit nie angenehm werden kannst? 
Wahrhaftig,
hohe Worte machen den Menschen nicht heilig und gerecht,
sondern ein Leben voll Tugend, das macht bei Gott uns angenehm. 
Es ist mir ungleich lieber, Reue und Leid im zerschlagenen Herzen zu empfinden,als aus dem Kopfe eine schulgerechte Erklärung geben zu können,was Reue sei. 
Hättest du die ganze Bibel und die Sprüche aller Weisen im Gedächtnis,
hättest aber dabei nicht die Liebe Gottes,
seine Gnade nicht im Herzen: wozu hülfe dir all jenes ohne dieses Einzige? 
O Eitelkeit der Eitelkeiten,
alles ist Eitelkeit
außer Gott lieben und ihm allein dienen. Das ist die höchste Weisheit:
Durch Verschmähung der Welt zum himmlischen Reich hindurchdringen. 
Also ist es Eitelkeit,
vergängliche Reichtümer zu sammeln und darauf seine Hoffnungen zu bauen.
Also ist es Eitelkeit,
nach hohen Ehrenstellen zu trachten und gern sich obenan zu setzen. 
Also ist es Eitelkeit,
den Lüsten des Fleisches sich zu überlassen und Freuden nachzujagen,
die uns einst die empfindlichsten Strafen zuziehen werden. 
Also ist es Eitelkeit,
nur immer zu wünschen,
daß man lange lebe
und wenig darum sich zu bekümmern,
daß man fromm lebe. 
Also ist es Eitelkeit,
das Auge hinzuheften auf das gegenwärtige und nie hinauszublicken auf das kommende Leben.  
Also ist es Eitelkeit,
sein Herz an das zu hängen,
was so schnell vorübergeht
und nicht dorthin zu eilen,
wo ewige Freude wohnt. 
Erinnere dich doch oft an den Spruch des Weisen: 
Das Auge kann nicht satt sich sehen,
nicht satt sich hören das Ohr. Reiß also dein Herz los von den sichtbaren Gütern und erhebe es zu den unsichtbaren. 
Denn die ihrer Sinnlichkeit blind folgen, beflecken ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes.

vollständig ist die Schrift auf Gutenberg zu finden

Montag, 12. September 2016

Ausgetretene Pfade verlassen: Von der Religion des weißen Schneefeldes und dem Weg zur schönen Lilie.

Mir gefällt dieses Werk Regines so sehr, dass ich es - gleichsam als Logo - für die Fortsetzung meines letzten Post wiederverwende. Dort stand am Schluss im Mittelpunkt die Brücke, wie wir sie in Goethes Märchen von der schönen Lilie und der grünen Schlange finden, die das Land der Lilie von der gewöhnlichen Welt trennt, weil man nur zu bestimmten Zeiten und Bedingungen Zutritt gewinnt. Übrigens ist ja in der germanischen Mythologie der Regenbogen, Bifröst genannt, ebenfalls eine Brücke, welche die Welt der Götter und der Menschen verbindet.

Jenes Land zu betreten, das jenseits der Brücke beginnt und mit dem ich ein weißes, weites Schneefeld assoziiere, erinnert mich an jene Gefühle, die ich empfand, wenn ich damals - es sind nun gut dreißig Jahre her - von jenem Haus, das wir zu viert erworben hatten, auf Langlauf-Skiern Richtung Wald und dann durch den Wald glitt, wenn der Schnee über Nacht gefallen war und alles reines Weiß war, unberührt. Ob mitten durch den Wald oder auf Waldwegen oder über Felder zu gleiten: Immer war es ein Gefühl, als ob die Tatsache, dass man der Erste sei, der den Schnee berühren dürfe, ein ganz besonderes Privileg sei und eine besondere Wertschätzung dieser Situation gegenüber erfordere, aus der - man kann es nur so sagen - ein gewisses Gefühl der Heiligkeit resultiert.

In aller Regel gehen wir unser Leben lang recht ausgetretene Pfade, über die schon viele Menschen gegangen sind. Selten, dass Menschen auf der Erde etwas tun, was noch keiner vor ihnen tat, was noch keiner vor ihnen dachte, was noch keiner vor ihnen fühlte.
Aber es ist dies nicht nur ein Geschehen, was sich auf die Erde bezieht, sondern auch auf unsere Seele:

Ich glaube, ab einem bestimmten Punkt, ab einem bestimmten Geschehen verlassen wir als Menschen die ausgetretenen Pfade der Seele und eine Seele nimmt ihren eigenen Weg, geht über ihre Brücke, die nur für sie bestimmt ist. Das erinnert an Kafkas Türhüterlegende, im Rahmen deren ein Mann vom Lande sich zwangsläufig vor einer Tür niederlassen muss, hinter der das Gesetz beginnt, weil ihn ein Türhüter nicht einlässt. Es lohnt sich, sie zu lesen, denn sie ist in höchstem Maße spirituell. An deren Ende jedenfalls weiß der Mann vom Lande, dass er sterben wird; seltsamerweise beginnt er nun erst ein Licht aus jener Tür, die zum Gesetz führt, wahrzunehmen und nun erst fällt ihm auf, dass niemand je an ihm vorbei durch diese Tür wollte und genau danach fragt er den Türhüter. Und jener antwortet:  „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für Dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“

Ich bin mir recht sicher, dass nicht jeder Mensch zwangsläufig durch diese Tür geht oder über jenes weiße Schneefeld. Am Ende von Entwicklungszyklen der Menschheit gibt es immer eine vielleicht recht große Zahl von Menschen, die einen anderen Weg gehen, der sie nicht ihrem eigentlichen und wahren Ziel näherbringt, eher vielleicht sogar im Gegenteil. Man muss das nicht werten, es hat auch nichts mit einem gleichsam moralischen Verständnis von Himmel oder Hölle, gut oder böse zu tun. Es ist einfach Fakt, dass Menschen sich für eine Gesinnung, eine Einstellung für eine Lebensweise und Sicht auf das Leben entscheiden. Und die hat Konsequenzen. Ich glaube, dass die Menschheit seit geraumer Zeit und vielleicht auch noch einige Dekaden an einem neuerlichen Scheideweg steht. Die eine Richtung weist Richtung Materialismus, Richtung reinem Naturalismus der Naturwissenschaften, dass also alles stofflich ableitbar sei, auch wenn die Elementarteilchen immer kleiner werden. Der österreichische Philosoph Peter Strasser spricht in diesem Zusammenhang in seinem Buch Ontologie des Teufels von einer Entgeistung, ja Seelenlosigkeit des modernen Menschen. Ich stelle fest, dass eine damit verbunden Einstellung momentan fast en vogue zu sein scheint, dass sich Atheisten besonders stark und selbstsicher vorkommen - zumindest tun sie so.
Bisweilen scheint es mir im Internet, wenn manche Menschen kategorisch alles Religiöse ins Reich der Fabel verweisen und Zeitgenossen, die noch auf so etwas hereinfallen, ggf. als fehlgesteuert durch die Kirchen ansehen, als ob das für jene mit einem gewissen Spaßfaktor verbunden sei, dagegen zu sein, dass, wie Tertullian es formuliert, die Seele von Natur aus christiana sei.

Ich persönlich glaube, dass der Spaß spätestens nach dem sogenannten Tod aufhört, denn wer den Geist ablehnt, sitzt dort im absolut Dunklen. Und es gibt dort keinen Schlaf, der manches eine Zeitlang mal erleichtert.
Ich vermute, dass Menschen, die über mehrere Leben bei dieser Einstellung bleiben, über keine Brücke gehen. Man muss sie nicht bedauern. Es ist auch nicht gut oder schlecht. Es ist einfach ihre Entscheidung. Ob sie bei dieser frei waren, ist eine andere Frage, die man mit ihnen nicht diskutieren kann, weil es Geist in diesem Sinn für sie nicht gibt, also auch nicht einen, der sie an der Nase herumführt, ganz im Sinne Goethes, der im Faust I, in Auerbachs Keller den Teufel selbst, also Mephistopheles zu Faust sagen lässt:


Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.

Manche dünken sich so frei, aber weil sie den Geist, auch in seiner Ausprägung als Mephistopheles, sprich Satan, nicht als real anerkennen, checken sie ihn auch nicht. Es kann und darf ihn ja nicht geben!

Die Alternative ist, dass ein Mensch in seiner Entwicklung hin zu der Erkenntnis, dass Materie nur ein anderer Aggregatzustand des Geistes ist, dass also, wie es Buddha formulierte, alle Dinge im Geist entstehen oder wie es das Johannes-Evangelium formuliert, im Anfang der Logos war, das Wort also, dieses Wissen nicht nur begrifflich erfasst, sondern mit seinem ganzen Wesen. Dieser Unterschied zwischen rein begrifflichem Erfassen und einem Erfassen mit dem ganzen Wesen ist heute besonders wichtig, weil gerade ethische und religiöse Begriffe erschreckend hohl geworden sind.

Dann ist er auf der Brücke. Und dann beginnt für ihn die wirkliche Freiheit, die Freiheit des weißen Schneefeldes, über die vor ihm noch nie jemand gegangen ist, ein Schneefeld, das nur für ihn bestimmt ist. Das ist ganz unabhängig davon, dass er sein bürgerliches Leben ganz normal lebt, vielleicht im Verein regelmäßig Tischtennis spielt oder mit Freunden Skat, mit seiner Frau einen Tanzkurs macht, was auch immer; ja, ich möchte behaupten, das ist sogar Voraussetzung und schützt am wirkungsvollsten vor Scheinheiligkeit.

In Goethes Märchen von der schönen Lilie und der grünen Schlange gibt es zwei Möglichkeiten, ins Land der schönen Lilie zu gelangen, die nichts anderes ist als unsere unvergängliche Seele.

In der Mythologie und der Literatur ist sie immer wieder angesprochen, so am Ende des Faust II, wenn es heißt, dass das Ewig-Weibliche uns hinanziehe. In der ägyptischen Mythologie ist es die Göttin Isis mit dem Horusknaben, in der Kunst ist es die Madonna mit dem Kind. In der Bibel sind es die Jungfrauen, die auf den Herrn warten, den Geist, den Gott allen Ursprungs.

Wer frauenbewegt das Weibliche als sekundär eingestuft fühlt, weil es nicht unmittelbarer Teil der Gottheit, nicht Geist, sondern Seele nur sei, steckt leider noch in einer sehr materialistischen Auffassung von Männlichem und Weiblichem. Das ist so, wie wenn sich die Materie beleidigt zurückzöge, weil sie scheinbar nicht Geist ist, der als Vaterenergie strahlt, nicht verstehend, wie wichtig sie ist, denn ohne ihr Sein, ohne das Sein der Materie würden wir nie jenes Licht sehen, das nur sie reflektiert. Auch das schönste Licht würde im materielosen All sich einfach in der Unendlichkeit verpuffen.

Zurück aber noch einmal zu dem weißen Schneefeld und den Spuren, die nur wir eingravieren dürfen. In gewisser Weise ist es ein Traum, eine Vision von mir, denn Goethes Märchen macht deutlich, dass der Weg zur schönen Lilie nicht dem über ein weißes Schneefeld gleicht. Der Jüngling, der in Goethes Erzählung für alle Suchenden steht, stirbt zunächst - die Lilie muss ihn wiedererwecken - und das ganze Geschehen macht deutlich, dass sich sehr viel ereignen muss, bevor sich der Tempel aus dem Erdinneren nach oben bewegt. Der goldene, silberne und eherne König manifestieren Seelenzustände, die es sich zu erarbeiten gilt, die Irrlichter, die Schätze aus sich herausschütteln, die todbringend und segensreich zugleich sein können, wollen durchschaut sein, und jeder braucht die Hilfe des Alten, dessen Licht nur dort Wirkung zeigen kann, wo Licht bereits da ist. Ein Licht, das wir mitzubringen haben, eine Arbeit, die wir zu leisten haben und die nur zu einem Ergebnis kommen kann, wenn wir diese innere Arbeit im Rahmen unserer alltäglichen Arbeit leisten; nur dort zeigt sich, wie wertvoll innere Arbeit ist.

Der Weg zur schönen Lilie ist voller Mühen und Arbeit, kein Spuren im weißen Schnee. Und doch ist vielleicht beides gar nicht so weit voneinander entfernt.

Mittwoch, 31. August 2016

Über das Glück des weißen Schneefeldes jenseits der Brücke. - Gegen Nietzsches ewige Wiederkunft des Gleichen.


Heute bin ich durch einen so genannten Zufall auf Regines Blog Regenbogen und Freudentränen gestoßen, der mich durch sein Header-Foto magisch zum Verweilen gezogen hat; mittlerweile weiß ich, dass es eine Arbeit von ihr ist, selbst gestaltet. Ehrlich mal: Hut ab! 
Eigentlich wollte ich heute Vormittag etwas ganz Anderes machen, aber der nahm dann einen anderen Verlauf.



 
Wie eine Schnecke in ihrem Haus geschützt sein wollen - das mag unbewusst diese Form auslösen, die als Spiralform noch viel weitergeht:

Alles Leben geht von einem Ursprung aus und so wie das Weltall sich ständig weiterdehnt, so wird die Bewegung der Spirale immer raumgreifender. Sie ist der lebendige Beweis, dass Nietzsche mit seiner Ewigen Wiederkunft des Gleichen nicht Recht hat. Es heißt in Also sprach Zarathustra:

Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.
In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.

Es deutet sich in diesem Versuch, das Leben zu erfassen, schon jene melancholische Verzweiflung an, die dann in Turin zum Ausbruch seiner Geisteskrankheit führte. Letztendlich führt seine Sicht zu jener Hoffnungslosigkeit, die Camus am Ende seines Mythos schreiben lässt: Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. - Müssen tun wir das Gott sei Dank nicht!

Es haben auch die nicht Recht, die ganz unphilosophisch behaupten, dass sich alles wiederhole. Ein Beleg ist da nicht, dass mancher auch bei der siebten Frau immer noch den gleichen Fehler macht. Das hat viel mit einem sehr resistenten inneren Programm und viel Verbohrtheit zu tun und nicht mit Polarität und Steigerung, die für Goethe die Ingredienzien für Entwicklung, also für Metamorphose, für ständige Wandlung als Lebensprinzip sind. Klar schwankt das Leben immer und immer wieder von einem Pol zum anderen, aber oft doch deshalb, damit als Nächstes ein höherer Schritt im Bewusstsein der Menchen geschehen möge.

Ich bin dann zu einem Post über Sehnsucht gelangt, der mir deshalb schon sympathisch war, weil viele Fragen gestellt werden. Das finde ich doch die beste Weise, an etwas heranzugehen. Ich wusste dann nicht, dass mein Kommentar, den ich schreibe, so ausführlich wird, aber es ist eben auch ein für mich so bedeutungsvolles Thema, das Regine da angestupst hat. Am Schluss nahm mein Kommentar dann eine Wendung, zu einem Bild, das mir fast heilig ist, weshalb ich ihn hier zitieren möchte:


(. . .) Dann hab ich noch Deinen Post über Sehnsucht gelesen, und ich glaube, da können unter 100 000 Menschen ungefähr eine(r) Ähnliches so ehrlich schreiben, mehr sind es vermutlich nicht. Ich gehöre zu denen, die in der Literatur und Mythologie diese Sehnsuchtsmenschen gern finden, als da – um nur ein paar zu nennen – Rilke ist mit „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, / die sich über die Dinge ziehn …“, Wilhelm Busch („Wie kam ich nur aus jenem Frieden / Ins Weltgetös? Was einst vereint, hat sich geschieden …“), Novalis („Wir träumen von Reisen durch das Weltall – ist denn das Weltall nicht in uns? Nach innen geht der geheimnisvolle Weg . . .“), Eichendorff („Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt hebt an zu singen / Triffst du nur das Zauberwort.“), Goethe („Wo fass ich dich, unendliche Natur? / Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens . . .“) oder Nietzsche („Die Krähen schrein / Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: / Bald wird es schnein, – / Weh dem, der keine Heimat hat!“), den der Wahnsinn vor weiterem Verfall und Weiter-Versteigen ins Übermenschentum bewahrte.

In den letzten Wochen ist mir klar geworden, dass Sehnsucht damit zusammenhängt, dass manche von uns spüren, dass die Begriffe nichts mehr taugen, mit denen wir sowas wie Liebe, EinsSein, Wahrheit oder Abendmahl erfassen. Irgendwie sind sie wie leere Bananenschalen und wir wollen wissen, was Liebe wirklich ist, doch mehr als ein Gefühl, als Wärmeaufwallung, als …
Was ist Seligkeit wirklich, oder Stille, Demut oder Gnade?

Wie weit sind wir vom Paradies entfernt?

Möglichst ohne verbohrt und verbissen zu sein surfen wir auf dem See der Wirklichkeit herum, den wir für letztere halten, wissend, dass einer der glücklichsten Momente von Petrus war, als er darin unterging und diese trügerische Sicherheit und Wahrheit der Oberfläche verließ, die er (noch nicht) verstand.

Ich werde Dich ein Stück weit mit Deinen Artikeln begleiten; es kommt mir so vor, als dass Du zu den ernsthaft Suchenden gehörst, die nicht ihr Suchen in alle Welt meinen posaunen zu müssen und dennoch bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen, um über die Brücke zu gelangen ins Land der schönen Lilie von Goethes „Märchen“. Das aber mag dann ein Zustand sein, der sich wohl höchst, höchst selten auf der Erde einstellt; womöglich versuchen manche ihn zu konservieren, anstatt das Glück des weißen Schneefeldes jenseits der Brücke, das dem, der es betritt, allein gehört, zu genießen.

Viel Spaß beim Bloggen! Ich finde Deinen Start sehr hoffnungsvoll. Und sei sicher, Du wirst noch etliche Male verzweifelt sein und wieder mal nicht wissen, wie man in das Dashboard kommt oder die Widgets findet, (aber) der Aufwand lohnt sich. Was wir schreiben, ist doch immer ein Stück von uns!

Soweit mein Kommentar.

Das Bild der Brücke, über die wir gelangen müssen, - in Goethes Märchen gibt es mehrere Möglichkeiten hinüberzukommen - hat mich dann, wie schon früher, erneut sehr berührt und das weiße, weite Schneefeld, auf dem jeder so gern seine Spuren hinterlassen möchte. Irgendwann gehen wir alle dort, jeder auf seinem.
Wobei ich nicht sicher bin, dass es allen gelingt; immer gibt es Menschen und Wesen, die eine andere Richtung der Entwicklung wählen.

Darauf möchte ich dann in einem weiteren Post eingehen. Diese Atmosphäre, wenn man jenes Schneefeld betritt, die ist einfach heilig und die Aufgabe ist groß.

Mittwoch, 24. August 2016

Über öffentlich-rechtliches Stöhnen mit "Make love" im ZDF!

Es gibt eine Aufgeschlossenheit, die scheinheilig und falsch ist und eine kranke Form von Aufgeklärt-Sein darstellt und ich behaupte, dass sowohl der Intendant des ZDF Thomas Bellut als auch die Moderatorin und Sexologin Ann-Marlene Henning innerlich wissen und zur Kenntnis nehmen könnten, wenn sie es denn wollten, dass ihre "Aufgeschlossenheit" zwar manche Sex-Türe öffnet, aber, viel aussschlaggebender, wichtige Türen in der Entwicklung der von ihren Botschaften Infizierten zuschlägt. 

Im Zweifel: lauter stöhnen!

Ja also, leise sein im Bett, das kann ein Grund haben, nämlich dass es einem nicht gefällt, aber meist ist es was anderes, nämlich eher: Ich mag mich nicht so gerne zeigen als sexuelles, erregtes, geiles Wesen.

So beginnt im Rahmen der ZDF-Sendereihe Make Love, deren vierte Staffel dieses Jahr lief, der Text eine der vielen Botschaften Ann-Marlene Hennings.
In der Folge macht die Sexologin darauf aufmerksam, dass gerade bei Frauen die Scham hoch sei, weil sie so doch nicht sein sollen, da sie sonst schlampig seien.

wer weiterlesen möchte: hier 

Montag, 22. August 2016

Menschliche Sexualität und der Weg zu einem reicheren Leben.


Auf Freie Welt habe ich einen Post zu Ann-Marlene Hennings Sendung Make love im ZDF veröffentlicht. Wie oberflächlich diese Sendereihe mit ihrem geschäftstüchtigen Drumherum ist und wie sehr sie ihre Zuschauer in eine falsche Richtung lenkt, mag für viele erst auf den zweiten oder dritten Blick - wenn überhaupt - erkennbar sein. Wie sehr musste ich bei meiner Beschäftigung mit dem Niveau dieser Sexologin an das Buch Liebe und Orgasmus des 2008 verstorbenen Arztes, Psychotherapeuten und Begründers der Bioenergetik Alexander Lowen denken, der genauso intime Aspekte menschlicher Sexualität anspricht, aber auf einer ganz anderen Ebene, die erkennen lässt, dass diese immer die Gesamtpersönlichkeit einbeziehen muss, insbesondere den muskulären und vor allem den seelischen Zustand eines Menschen, ja, der sogar deutlich macht, dass die Individualität des Menschen nie losgelöst von ihm als gesellschaftlichem Wesen gesehen werden kann:
Ich kann kein einfaches Rezept für ein befriedigendes und gesundes Geschlechtsleben geben. Die Krise der Sexualität, vor der wir in dieser Zeit stehen, erfordert für ihre Lösung einige große Veränderungen im Denken und in der Einstellung. Eine neue persönliche und soziale Ordnung muß entstehen, die auf die richtige Einschätzung der Wahrheit des Körpers gegründet ist. Die Ehrfurcht des Menschen angesichts der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen Geistes sollte ihn nicht veranlassen, den Respekt vor der unendlichen Weisheit des Körpers zu verlieren. Die wissenschaftliche Sexologie darf, wenn sie hilfreich sein soll, gegenüber dem Mysterium der Liebe, das im Innersten des Geschlechtsaktes liegt, nicht blind sein.
Ich möchte behaupten, dass allein diese Worte zeigen, dass die ZDF-Sendung, deren 4. Staffel 2016 lief, in dem, was sie suggeriert, den Menschen im Grunde blind macht. 
Lowen beschreibt sehr genau den Verlauf des Orgasmus und geht sehr dezidiert auf Formen der Impotenz bei Mann und Frau sein, suggeriert also damit nicht, das Ganze sei mit den Methoden Frau Hennings so locker und leicht behebbar. 
Wenn ich Lowen hier nicht im Zusammenhang mit Details direkt sexueller Probleme zitiere, sondern eine Passage wiedergebe, in der er auf die Bedeutung der Wahrnehmung des Körpers eingeht, dann deshalb, weil ich damit ermöglichen möchte zu erkennen, wie oberflächlich und seicht und in eine mentale und seelische Sackgasse führend die Rezepte der Frau Henning sind (am Freitag dann, wie gesagt, mehr).

Hier aber nun aufschlussreiche Gedanken Lowens aus seinem leider nur noch antiquarisch erhaltbaren Buch, die wichtig sind, um Sexualität wirklich in das Gefüge von Körper, Seele (also auch Gefühlen) und Geist einordnen zu können:

Wenn ein Mensch die Verspannungen, Starrheiten und Ängste seines Körpers nicht fühlt, verleugnet er in diesem Sinn die Wahrheit seines Körpers. Diese Verleugnung findet auf der Ebene des Unbewussten als ein Verlust der Wahrnehmung des körperlichen Zustandes statt. Sie ist häufig davon begleitet, dass der entgegengesetzte Zustand oder das entgegengesetzte Gefühl ausgedrückt wird. Zum Beispiel tarnen Patienten oft ein Gefühl der Traurigkeit durch gezwungenes Lächeln, was zur Folge hat, dass sie das Gefühl der Traurigkeit gar nicht bemerken. Andere Patienten verdecken die Feindseligkeit, die sich in ihren kalten, harten Augen und zusammengebissenen Zähnen manifestiert, durch übertriebene Höflichkeit und Förmlichkeit.
Die Wahrheit des Körpers kann hinter Rationalisierungen oder Intellektualisierungen versteckt sein. Ein Patient rationalisiert vielleicht seine Unfähigkeit, Wut zu äußern, indem er sagt, Wut sei keine angemessene Reaktion. Die Wahrheit kann für diesen Patienten sein, dass er wegen chronischer Verspannungen im Schultergürtel gar kein Gefühl der Wut mobilisieren oder aufrecht erhalten kann. Orgasmus ist ein Gefühl des Körpers, das Liebe zum Sexualpartner ausdrückt. Orgastische Impotenz weist auf eine Angst vor der Liebe auf der Ebene sexueller Reife hin. Wie viele Menschen sind sich dieser einfachen Wahrheit des Körpers bewusst?
Das Gefühl, das Herz „öffne“ sich der Liebe, ist eine Wahrheit des Körpers. Es mag nicht mit der naturwissenschaftlichen Ansicht übereinstimmen, das Herz mit der Liebe in Verbindung zu bringen. Aber die Naturwissenschaft ist ja auch nicht an Gefühlen interessiert, nur an Mechanik. Wenn Menschen ohne jede körperliche Empfindung von Liebe sprechen, reden sie von Vorstellungen, nicht von Gefühlen. Manchen Menschen fällt es schwer zu sagen, Ich liebe dich, weil ihnen dieses spezifische Gefühl fehlt. Andere benutzen Wörter ohne Rücksicht auf die körperlichen Gefühle, auf die sie hinweisen. In ähnlicher Weise sprechen Menschen von sexuellem Verlangen, ohne einen starken sexuellen Drang zu verspüren. Was sie meinen, ist, dass sie wollen, ein sexueller Kontakt solle ihnen das Gefühl geben, lebendig und erregt zu sein. Diese Trennung von Liebesworten vom sexuellen Gefühl ist charakteristisch für die Sinnlichkeit, wie sie im 10. Kapitel beschrieben worden ist. Der Ausspruch Ich liebe dich bedeutet oft, Ich brauche dich, und ist eher eine Bitte um Liebe als eine Kundgebung eines Körpergefühls.
Die Vorstellung, das Herz sei der Sitz der Liebe, hat etwas mit der Frage der orgastischen Potenz zu tun. Bei allen Neurotikern stellt man fest, dass die Wand des Brustkorbs äußerst angespannt ist. Außerdem ist das Zwerchfell kontrahiert, der Bauch ist eingezogen und die Schultern sind unnachgiebig. Das Herz ist buchstäblich in einen Muskelpanzer eingeschlossen, der es zwar schützt, es aber auch von den Empfindungen im Genitalbereich isoliert. Diese „Panzerung“ erklärt, warum die sexuellen Empfindungen auf die Geschlechtsorgane beschränkt sind und sich nicht in einer vollständigen orgastischen Reaktion auf den ganzen Körper erstrecken.
(. . .)
Selten stellt sich ein Mann, dessen Erektion entweder vor dem Geschlechtsverkehr oder währendessen nachlässt, ehrlich dieser Reaktion. Die üblichen Bemerkungen lauten nach Aussage der Partnerinnen:„Das ist mir noch nie passiert“, „Das versteh´ ich nicht“ oder „Nächstes Mal wird´s schon klappen.“ Die Wahrheit, wie der Körper sie ausdrückt, ist, dass er das Verlangen nach seiner Partnerin verloren hat. Das kann aus Angst, Schuldgefühlen oder Furcht geschehen. Er fühlt sich vielleicht unbehaglich in der Situation, hat Angst, dass das Mädchen eine Dauerbeziehung erwartet, ist besorgt, ob er die Partnerin befriedigen kann usw. Ich bin sicher, dass jeder Mann auf irgendeiner Ebene des Gewahrseins seine wahren Gefühle spürt. Wenn er sie akzeptieren und äußern kann, ist der Konflikt lösbar, und seine Potenz wird zurückkehren. Wenn wir uns fürchten, der Wahrheit ins Auge zu sehen, wie sie unser Körper oder die körperlichen Empfindungen ausdrücken, machen wir Ausflüchte, verstellen uns und nehmen eine Pose ein.
(. . .)
Der Weg zu einem reicheren Leben geht gewiss über ein vollständigeres Erleben des Körpers und seiner Sexualität. Ich will nicht behaupten, es sei der einzige „Weg“, aber es ist eine brauchbare Lebensweise, die die antithetischen Funktionen der Persönlichkeit des Menschen synthetisiert.
Ich habe unterstrichen, dass sexuelle Reife kein Ziel, sondern eine Lebensweise ist. Der sexuell reife Mensch hat den Mut, sich der Wahrheit seines Körpers zu stellen; infolgedessen respektiert er seine Gefühle und sich selbst. Er respektiert ebenfalls seinen Sexualpartner, Menschen im Allgemeinen und das Phänomen des Lebens, in welcher Form es sich auch manifestiert. Seine Selbst-Annahme umfasst das, was er mit allen Menschen gemeinsam hat: das Leben, die Freiheit und den sexuellen Impuls. Wer sich selbst hasst, hasst seinen Körper und die Körper anderer Leute. Indem der reife Mensch sein Recht auf sexuelles Glück geltend macht, gesteht er anderen das gleiche Recht zu. Er hat das, was ich ein „offenes Herz“ nenne. Weil sein Herz offen ist und nicht verschlossen, gibt sich der sexuell reife Mensch denen ganz, die er liebt. Dafür liebt und achtet jeder den Menschen mit einem offenen Herzen. Er ist mit dem Herzen bei seinen Tätigkeiten, und er wird durch ihre Ergebnisse ganz erfüllt und befriedigt. Er ist natürlich orgastisch potent. Ich habe solche Menschen gekannt, und sie haben mein Leben bereichert. Durch sie wird mein Glaube an Menschen gerechtfertigt.
Der Mensch mit einem „verschlossenen Herzen“ fürchtet sich zu lieben. Letzten Endes ist es diese Furcht, die ihn neurotisch handeln lässt. Er kennt die Bedeutung der Liebe, und er ist sich seines Bedürfnisses zu lieben bewusst, aber er kann dem Gefühl der Liebe sein Herz nicht öffnen. Er ist gewiss nicht so auf die Welt gekommen. Solche Menschen bekomme ich ständig in meiner Praxis zu sehen. In jedem Fall ist in der Vorgeschichte eine Liebesenttäuschung in der frühesten Kindheit zu finden. Patienten erinnern sich, wie sie als Babies nach der Mutter geschrien haben, die nicht kam. Manchmal wird dies durch einen Elternteil bestätigt. {...} Manche erinnern sich an die Vorstellung von einer „bösen Mutter“, deren Gereiztheit über die scheinbar endlosen Forderungen des Säuglings sich in barschem oder feindseligem Verhalten äußerte. Die Kombination von wiederholten Enttäuschungen und Angst erzeugt eine Abwehr gegen weitere Verletzungen. Diese „Abwehr“ nimmt die Form einer Panzerung an, die sich körperlich in einer chronischen Verhärtung der Brustmuskulatur ausdrückt. Das Herz wird „verschlossen“, indem es in einem starren Thoraxkäfig eingesperrt wird, der wiederum die Atmung einschränkt und das Fühlen hemmt. Jeder neurotische Patient leidet an einer Atemstörung, die von chronischen Verspannungen in der Wand des Brustkorbs und im Zwerchfell herrührt. Psychisch äußert sich das „verschlossene Herz“ in der Einstellung:„Ich werde dich lieben, wenn du mich liebst.“ Bedingungen sind Versagungen. Der neurotische Mensch kann nicht lieben, projiziert aber seine Unfähigkeit auf andere.
Es gibt keine rasche und einfache Methode, neurotische Störungen zu überwinden. Um ein „offenes Herz“ zu bekommen, muß sich ein Mensch in sich selbst sicher genug fühlen, um Enttäuschung zu riskieren, und stark genug, um der Angst vor dem Alleinsein ins Auge zu sehen. Er muß all die neurotischen Konflikte lösen, die das Gefühl des eigenen Selbst spalten und seiner vollen Identifizierung mit seinem Körper im Wege stehen. Und er muß die kulturelle Tendenz überwinden, das Ich vom Körper und die Liebe von der Sexualität zu trennen. Das ist nicht leicht; es ist ein langer, mühseliger Prozeß und führt nicht immer zum vollen Erfolg. Aber Gesundheit und Glück sind der Mühe wert.